Wenn der Pfarrer fliegen lernt…

“Was erlauben die Gringos sich eigentlich! Vor dem heiligen Tag des Herrn bei Rogan ihre Piñata aufzuhängen.” schnaubte Pater J.P. Kettelton. Das Gespräch mit dem einfallenden Mexikanischen Gesindel dürfte für ihn als ein Mann Gottes doch kein Problem sein.

Kettelton traf auf drei Trunkenbolde, als sie gerade laut lachend, leere Flaschen von Tequila gegen die umliegenden Häuser warfen. Den Alkohol aus ihren Poren roch selbst ein verwesender Esel in fünf Meilen Entfernung.

“Sieh an, sieh an! Der Schäfer der Schafe Gottes!” fing sofort einer der drei Gäste in der Stadt an Kettelton mit einem hörbaren Unterton zu beleidigen.
“Schlaft Euren Rausch aus und morgen früh verlasst Ihr die Stadt, in Gottes Namen! Und der Herr wird Euch auf Eurem Weg begleiten und schützen.” versuchte der Pfarrer die Situation einigermaßen vernünftig zu lösen. Alle drei Trunkenbolde erstarrten und fielen zeitgleich in ein gröhlendes Gelächter ein. Einer der drei, ein Typ wie ein Schrank, machte die letzten Schritte auf Kettelton zu. Kettelton konnte nun direkt seinen schlechten Atem riechen, das pockennarbige Gesicht übersäht mit entzündeten Hautwucherungen, die schlechten Zähne taten ihr Übriges, was den Mann Gottes zurückweichen ließ. “Hör zu, Bleichhaut! Diese Stadt gehört Paco. Sag Deinem Gott, er kann sich seinen Frieden in den Allerwertesten stecken! Morgen früh wird die Stadt” er rülpste laut und in Richtung des Pfarrers aus “uns gehören und IHR werdet für UNS arbeiten! Das kannst Du morgen predigen!”

Kettelton fühlte Wut in sich aufsteigen. Diese Gefühle kannte der untersetzte, rundlich wirkende Pfarrer nicht. Blitzschnell versuchte er dem großen Kerl einen linken Haken verpassen. Doch der Schrank wich mühelos aus und stieß Kettelton weg. Direkter Schlag ins Gesicht, doch auch diesem wich er aus. Langsam wurde es Gomez zu bunt. Er schubste seinen Angreifer immer wieder zurück. Kettelton war nun nicht mehr der Pfarrer des kleinen Dorfes Copperhead Creek. Es war, als würde sich die Welt um ihn verlangsamen. Ein neuer Angriff. Diesmal zielte Kettelton es auf den Revolver von Gomez ab. Er verfehlte, griff ins leere und lag im Staub des Straße vor Rosis Eisenwarenladen.

Wie tief ist er gesunken? Gomez dagegen war nun wieder völlig klar. Kein Getaumel vom Alkohol mehr. Kein Gestammel aus seinem Mund. Kettelton hörte hinter sich das klicken des Hahnes am Revolver von Gomez. “Jetzt reicht es mir!” Das nächste was Kettelton fühlte eine sichere Wärme, eine Leichtigkeit als ob er fliegen könnte. War da vorne ein Licht, wie von einem Leuchtturm ausgehen? Er flog weiter auf das Licht zu…

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